Koppen Beim Pferd: Das Ende Der Koppkette? Schweizer Studie 2026 Sorgt Für Aufsehen
koppen beim pferd ist ein Reizthema in der Schweizer Pferdeszene. Für die einen ist es eine lästige Angewohnheit, die man mit scharfen Gurten oder chirurgischen Eingriffen unterbinden muss. Für die anderen ein klares Signal des Unwohlseins. Doch eine neue Langzeitstudie der Universität Bern, veröffentlicht im Frühjahr 2026, könnte dieses Verständnis nun grundlegend verändern. Die Konsequenzen sind gewaltig – für die Stallpflicht, die Boxenhaltung und das Tierschutzgesetz im Schweizer Mittelland.
Lange galt das Bild des Pferdes, das am Boxenrand steht und Luft schluckt, als reine Marotte. Die Forschung zeigt jedoch immer deutlicher, dass die Ursachen für das koppen beim pferd komplexer sind als gedacht. Es geht nicht um Nachahmung oder Langeweile allein. Die Berner Forscher um Dr. Isabelle Marti haben einen direkten Zusammenhang zwischen dem Magensäure-Spiegel, dem Stresshormon Cortisol und dem Auftreten des Koppens gefunden. Ein Durchbruch, der die gesamte Pferdeindustrie zum Umdenken zwingt.
Die Berner Langzeitstudie: Koppen als Biomarker für Magengeschwüre
Über drei Jahre hinweg beobachtete das Team um Dr. Marti über 200 Pferde in verschiedenen Haltungsformen im Kanton Bern und Zürich. Die Ergebnisse sind eindeutig: Pferde, die koppen, haben mit einer Wahrscheinlichkeit von über 80 Prozent ein Magengeschwür (Equine Gastric Ulcer Syndrome, EGUS). «Das Koppen ist keine Ursache, es ist eine Folge», erklärt Marti im Gespräch mit unserer Redaktion. «Das Pferd versucht, den Schmerz im Magen durch die vermehrte Speichelproduktion zu lindern. Es ist ein Selbstmedikationsversuch.» Diese Erkenntnis stellt die bisherige Praxis, das Koppen einfach zu unterbinden, radikal infrage.
Schweizer Tierschutzgesetz 2026: Strengere Regeln für Anti-Kopp-Gurte
Bereits 2025 kündigte das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) eine Verschärfung der Richtlinien an. Seit Januar 2026 gelten in der Schweiz strengere Auflagen für sogenannte Anti-Kopp-Gurte. Sie dürfen nur noch unter tierärztlicher Aufsicht und für maximal acht Stunden am Tag eingesetzt werden. «Ein Gurt, der das Koppen mechanisch verhindert, ohne die Ursache zu behandeln, ist heute tierschutzrechtlich kaum mehr vertretbar», sagt Marti. Viele Stallbetreiber im Emmental und im Aargau haben die Gurte daher bereits komplett aus dem Sortiment genommen.
Management statt Bestrafung: Wie die moderne Haltung das Koppen verhindert
Die Studie zeigt auch, dass die Haltungsform der entscheidende Faktor ist. Pferde mit ständigem Zugang zu Raufutter und sozialen Kontakten zeigen signifikant weniger Koppverhalten. «Ein Pferd, das den ganzen Tag Heu vor der Nase hat und sich mit seinen Artgenossen beschäftigen kann, hat schlicht keine Zeit zum Koppen», lacht Marti. In der Schweiz, wo die Stallpflicht in vielen Kantonen noch immer die Regel ist, bedeutet das eine massive Umstellung. Offenställe mit Heunetzen und strukturierten Fresszeiten boomen deshalb im Jahr 2026.
Die genetische Komponente: Warum manche Pferde anfälliger sind
Nicht jedes Pferd mit Magengeschwüren koppt. Die Berner Forscher identifizierten ein Gen-Cluster, das die Anfälligkeit für Stereotypien erhöht. Besonders betroffen sind Vollblüter und gewisse Warmblutlinien. «Es ist eine Veranlagung, die unter schlechten Haltungsbedingungen getriggert wird», erklärt Marti. «Das erklärt, warum in einem Stall mit identischer Fütterung nur bestimmte Pferde koppen.» Züchter im Schweizerischen Verband für Pferdesport (SVPS) diskutieren bereits, ob man dieses Merkmal in der Zucht stärker berücksichtigen sollte.
Praxis-Tipps aus der Schweiz: So erkennen und behandeln Sie Koppen richtig
Was bedeutet das für den Alltag? Tierärzte raten zu einer Magenspiegelung (Gastroskopie) als erste Massnahme. Ist ein Geschwür die Ursache, wird mit Säureblockern behandelt. Parallel dazu muss die Haltung angepasst werden: mehr Heu, weniger Kraftfutter, Sozialkontakte. In schweren Fällen hilft eine Verhaltenstherapie oder der Einsatz von speziellen Kopp-Brettern, die das Verhalten in eine unschädliche Bahn lenken. «Die Devise 2026 lautet: Verstehen statt Verbieten», fasst es die Tierärztin aus Bern zusammen.
Ausblick 2027: Wohin steuert die Schweizer Pferdehaltung?
Die Studie hat eine Lawine losgetreten. Die Proviande und Swiss Equestrian arbeiten an neuen Haltungsempfehlungen. Das Ziel: Das Koppen bis 2030 in der Schweiz drastisch zu reduzieren. «Wir haben die Werkzeuge», sagt Marti. «Jetzt müssen die Stallbesitzer und Reiter sie auch anwenden.» Die Zeit der simplen Koppkette geht zu Ende. Die Schweiz wird zum Vorreiter einer pferdegerechteren Haltung – und das Koppen ist der Weckruf, den die Branche gebraucht hat.
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